Pandemiespaziergang

Neben Sauerkirschen, Mirabellen, Rosen und Beerensträuchern muss ganz bestimmt noch Flieder in den Garten meiner Träume.

Leider nicht im Bild: ein riesiger Flieder, hoch wie ein Baum, der duftete wie der Flieder im Garten meiner Eltern. Die Sonne stand ungünstig zum Fotografieren.

Der Lieblingsflieder ist noch nicht aufgeblüht.

Noch einmal der Lieblingsbirnbaum mit dem Rosenbusch.

Anderswo

„Zu schwer fassbar, die da oben. Zu kompliziert die Tricks von Cum-Ex, Wirecard, die politischen Entscheidungen. Das Kollektiv sucht sich lieber einfachere Gegner. Das ist die Entsolidarisierung in ihrer Endrunde.“ Sibylle Berg im Spiegel über den Hass. (via Crocodylus)

Eine Inklusin auf Zeit.

Eine Bürgermeisterin in Afghanistan.

Kein Essig, kein Öl, also auch kein Salat mehr am Monatsende.

Das Dilemma

Sie möchten es dem Paketdienst doch sicher so einfach wie möglich machen? Zu diesem Behufe haben Sie ihm eine Abstellgenehmigung erteilt, die aber seit drei Jahren geflissentlich ignoriert wird. Macht nichts, denn seit April 2020 sind Sie sowieso im Home Office und somit mindestens acht Stunden täglich für jedweden Paketboten erreichbar.

Eines Tages erhalten Sie ein Päckchen. Nein, Sie sollen eines erhalten. Auf dem Päckchen steht: Persönlich übergeben! Sie aber haben eine Abstellgenehmigung erteilt. Was soll der arme Zusteller nun machen? Persönlich übergeben? Aber es gibt eine Abstellgenehmigung! Abstellen? Aber das Päckchen muss doch persönlich übergeben werden! Sie sehen das Dilemma, und Sie sehen vor Ihrem geistigen Auge, wie der Zusteller angesichts des Dilemmas von einem Fuß auf den anderen tritt.

Wäre ich der Paketbote gewesen, hätte ich einmal versuchsweise bei mir geklingelt. Vielleicht wäre ich ja zu Hause gewesen.

Ich kann mir nicht helfen, mir fällt dazu das alte Lied von José ein, der auf dem Weg zur Mühle einer Schlange begegnet.

Der Zusteller traf übrigens eine salomonische Entscheidung und fuhr das Päckchen lieber zur Filiale im nächsten Stadtviertel. Sie müssen das verstehen: bevor man etwas falsch macht, macht man lieber gar nichts.

Es ist allerdings möglich, dass er gar nicht in der Nähe meiner Wohnung war, sondern gleich durchgefahren ist zur Filiale, ohne den Versuch einer Zustellung zu unternehmen. Das erscheint mir fast wahrscheinlicher.

Lebenslinien

heißt eine Sendung des Bayerischen Rundfunks, in der aus unterschiedlichsten Gründen bemerkenswerte Menschen portraitiert werden. Gestern in der Mediathek gefunden: Rita, eine Sintizza, die zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Rolanda dem KZ-Arzt Mengele zum Opfer fiel und noch heute mit den Folgen kämpft.

Anderswo

Erinnern Sie sich noch an das Foto eines lächelnden Mädchens, das in Auschwitz aufgenommen wurde und vor einigen Wochen von vielen Twitterern geteilt wurde? Ihr Name war Lisette Moru.

Bei Herrn Hauptschulblues fand ich einen Hinweis auf ein Blog, das sich mit Menschen beschäftigt, die am Rande unseres Blickfelds leben.

Schauen Sie einmal ins Café Weltenall. Blognachbarin Ulli macht Fotomontagen, und man kann sie kaufen. (Das ist keine Werbung, Ulli ist eine Blognachbarin. Eine Bezahlung oder sonstige Vergünstigung habe ich weder erhalten noch verlangt.)

Charlie Chaplin stammte von Roma ab. Zwei seiner Enkelinnen arbeiten an einem Dokumentarfilm.

Noch einmal Chaplin.

27.04.2021

Eine Schauspielerin lebt jetzt allein und ganz bescheiden in einem Tiny House, das größer ist als meine Wohnung. Anscheinend habe ich ein Tiny Apartment.

Der Friedhof gegenüber hat grüne Blätter bekommen; man kann nicht mehr bis auf die andere Seite schauen.

Schwesterchen gibt die Dissertation ab. (Dass ich das noch erleben darf. Vor allem: dass der Doktorvater das noch erleben darf. Der war nämlich schon ziemlich alt, als Schwesterchen anfing, und sie hat sich nicht beeilt.)

Die Stromrechnung ist trotz Home Office nur minimal höher als gewöhnlich.

Bei der Arbeit viel von der Kundschaft verursachtes Chaos, das ich auch mit viel Mühe nicht ordnen kann.

26.04.2021

Um viertel nach fünf singen die Vögel. Wieder zu wenig geschlafen. Morgens vor der Arbeit vervollständige ich die Blogroll. Ich hoffe, ich habe jetzt wieder alle beisammen.

Ich denke an Heinrich Mann und die Vollendung des Königs Henri IV. Oh Herr, so zeige dich doch nur.

Anderswo lese ich von einem begabten Menschen, der sich aus Verzweiflung zu Tode getrunken hat. Anscheinend habe ich mir in der Vergangenheit durch meine jugendlichen und nicht ganz so jugendlichen Depressionen eine gewisse Resilienz antrainiert, die mir gerade zugutekommt. (Ja, man schreibt das tatsächlich so, alles klein und zusammen, ich habe es nachgeschlagen).

Die Firma scheint für die Zeit nach Corona ernsthaft reguläre Home Office – Tage zu planen. Ich fahre ja eigentlich gerne U-Bahn, wenn nicht gerade Pandemie herrscht.

Einfachheit erreichen, im Leben wie im Schreiben, ist so ein Gedanke, der mir letzthin kam. Wobei ich im Schreiben grundsätzlich vollkommen ehrgeizlos bin.

Auf Twitter streite ich per DM, weil ich den Gesprächspartner nicht bloßstellen will.