15.04.2021

Ausgeschlafen, ein sonniger Tag.

Mein Hausarzt impft Patienten über 70. Ich hoffe, es geht weiterhin gut voran. Für ihn, für die älteren Patienten und irgendwann auch einmal für mich.

„(Die) Inzidenz ist zu hoch, steigt exponentiell, die Intensivstationen sind voll, und es sterben jetzt eher die Menschen in der Mitte ihres Lebens. Auch viele Eltern. Die Bundesländer müssen jetzt handeln.“ sagte Karl Lauterbach heute auf Twitter. Ja, es sterben die Berufstätigen, die Eltern, die sogenannten Leistungsträger, und damit ist auch „Aber-Die-Wirtschaft!“ betroffen.

Ich kaufe Erdbeeren. Regional unter Glas angebaut, wohlschmeckend, wenn auch nicht zu vergleichen mit den dunkelroten, fast schwarzen, die ein dicker älterer Mann vor drei oder vier Jahren an der Ostsee verkaufte. Ich habe nicht gefragt, wie die Sorte heißt, der Mann schien zu traurig, als dass ich mehr als das nötigste mit ihm sprechen wollte. Es gibt Menschen, die sind so von Trauer umhüllt und durchdrungen, dass man Angst bekommt, sie mit einem falschen Wort in Stücke zu brechen.

Ich lese weiter in der Sophie-Scholl-Biographie und muss an Marie Sophie Hingst denken. Die gleiche Intensität, das gleiche Engagement, die vielfältigen Begabungen, aber bei Marie Sophie eben auch die Lügen. Ich weiß nicht, ob ein einziger Satz in ihren Mails wahr war. Denn es waren eben nicht nur die Geschichten auf ihrem Blog, die sich als Phantastereien erwiesen haben. Sie belog ja alle, die einen mehr, die anderen weniger. Manchmal, wenn ich mich an ihre Mails oder ihre Blogtexte erinnere, fallen mir Parallelen zu literarischen Werken auf, an denen sie sich anscheinend bedient hat, um Versatzstücke für ihre eigenen Texte zu finden. Sehr geschickt eingearbeitete und eher abseitige Passagen der Literatur, aber auffällig, wenn man lange genug darüber nachdachte. Was hätte aus ihr werden können ohne die Lügen?

4 Gedanken zu “15.04.2021

  1. Ich bin froh, sie noch kennengelernt zu haben, aber man konnte nicht helfen.
    Es gibt viel größere Lügner*innen in Politik und Gesellschaft als Marie-Sophie. Ihre Lügen, außer die mit Yad Vashem, waren doch harmlos.

  2. Was hätte aus Xy werden können, wenn sie Yz nicht erlebt hätte?

    Wir alle erleben Dinge. Manches unausprechlich, unerträglich.
    Warum jemand wurde, wie sie:er geworden ist?
    (Ich unterscheide übrigens zwischen vorsätzlichen, böswilligen Lügen und pathologischen. Bei Marie-Sophie vermute ich zweites …)

    Die Ent-Täuschung bleibt.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.