Hochwasser

Einige Hochwasser habe ich als Kind im Dorf erlebt. Die machten die Wiesen fruchtbar, und das Wasser hatte ausreichend Platz, sich zu verlaufen. Mein Großvater, der keine Fischereirechte besaß, ging auf seine Weiden und sammelte die gestrandeten Fische ein. Anscheinend war das nicht verboten. Manchmal stand Wasser auf der Dorfstraße. Einmal ertrank ein Kind.

Das nächste Hochwasser erlebte ich als Studentin in Saarbrücken. Die Stadt, durch Schaden klug geworden, hatte damals schon in Hochwasserschutz investiert, so dass es einigermaßen glimpflich abging. Frau F., eine Dozentin, erntete viel Applaus, wenn sie ein Foto herumzeigte, das beweisen sollte, dass man die Universität zu Wasser erreichen könne. Sie hatte einen Wegweiser fotografiert, der tief im Wasser stand.

Im Jahr 2000 wurde in München im Rahmen des Isar-Plans die Isar, bis dahin ein hässlicher Kanal, renaturiert, was zum einen dem Hochwasserschutz diente, zum anderen ein wenig Natur und Schönheit in die Stadt zurückbrachte. Den Plan gab es seit 1995. 1999 kam aber erst einmal das Pfingsthochwasser, bei dem das Wasser auf Höhe der Braunauer Brücke anfing, die Straße zu überschwemmen. Auf der Wittelsbacher Brücke standen Menschen, um das Hochwasser zu sehen. Ich fand das nicht klug, warf aber täglich einen Blick auf den dortigen Pegelstandsanzeiger. Das tue ich heute noch, wenn ich dort vorbeikomme.

Bei leichtem Hochwasser bin ich schon in der Isar geschwommen, aber machen Sie das bitte nicht nach. Die Isar ist gefährlich. Wirklich, auch für kräftige, flussgewohnte Schwimmerinnen wie mich. Als ich noch regelmäßig in der Isar geschwommen bin, kannte ich an der entsprechenden Stelle die Strömung. Theoretisch, denn in jedem wasserreichen Frühling hat sich die Strömung ein wenig verändert, und es war jedes Jahr aufs Neue ein Abenteuer. Auch wenn ich an der wahrscheinlich allerruhigsten Stelle, an der Weideninsel, geschwommen bin. Heute tue ich das nicht mehr. Meine Gesundheit ist nicht mehr, was sie war, und die Kraft hat nachgelassen. Außerdem schwimmt da inzwischen gefühlt die halbe Stadt. Es wäre mir also ohnehin zu voll.

3 Antworten auf “Hochwasser”

  1. Liebe Grüße von Flussschwimmerin zu Flussschwimmerin. Ja, es sind mehr geworden, hierzulande auch.

    Ich hoffe, die Isarrenaturierung hält das Hochwasser in Schach!

    1. Das kann die Renaturierung gar nicht schaffen, liebe Sofasophia. Da ist zu viel Wasser im Spiel. Die Renaturierung sollte der Natur, den Fischen, Vögeln und Pflanzen diesen, aber da arbeiten die Feiernden kräftig dagegen.

      1. Guck mal Richtung Kanton Aargau/Schweiz/Auenlandschaften. Einiges lässt sich durch Renaturierung schaffen. Viel sogar. Es würde bei uns viel schlimmer aussehen, wenn die Flüsse noch so begradigt wären wie vor sagen wir mal vierzig Jahren.
        Aber ich weiß: Es ist ein großes Thema und letztlich hat der Mensch so viel kaputt gemacht, dass sich schwer sagen lässt, was wäre wenn, da gebe ich dir recht.

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